Google Tango ist die erste kommerzielle Technologieplattform für Augmented Reality Apps

(Bildquelle: Google)

Augmented Reality versetzt Nutzer in die Lage, ihre reelle Umgebung mit digitalen Informationen kombinieren zu können. Mit Hilfe eines Smartphones, Tablets oder einer VR-Brille kann das, was ein Nutzer sieht, erweitert werden. Ein gerade sehr populäres Beispiel ist Pokémon Go. Damit hat der japanische Spieleriese Nintendo einen Relaunch des beliebten Klassikers herausgebracht. Spieler können in der echten Welt auf Pokémon Jagd gehen – man muss sich also wirklich draußen bewegen, um voranzukommen. Das Spiel ist seit heute auch in den deutschen Android und iOS App Stores verfügbar hat schon für eine Menge Wirbel in der Presse gesorgt.

Was ist Google Tango?

Tango (früher Project Tango) ist eine Technologieplattform von Google zur Entwicklung von AR-Apps für den Google Play Store. Laut Google will man damit “Smartphones und Tablets die Möglichkeit geben, ihre Position in Bezug auf die Welt um sie herum zu verstehen”. Das seit kurzem erhältliche Tango Tablet Development Kit ist ein Android-Gerät mit einer Weitwinkelkamera, einer Tiefenmesskamera, genauem Sensor Timestamping und einem Software Stack, der Anwendungsentwicklern ermöglicht, Motion Tracking, Area Learning und Tiefenmessung zu nutzen.

Anfang 2015 hat das Projekt den Experimentierstatus verlassen und ist ins Google Headquarter umgezogen. Momentan sind im Google Play Store noch keine kommerziellen Apps verfügbar, nur die offiziellen Demos von Google und diverse Test-Apps von Tango-Entwicklern. Voraussichtlich werden die ersten Apps auftauchen, sobald Google Tango fähige Endgeräte verfügbar sind.

Apropos: Neben dem Google Developer-Tablet (7 Zoll, 4 GB Ram, 1920×1080 Pixel) wird es bald das erste Smartphone mit Tango geben. Noch im Sommer 2016 will Lenovo das Phab2 Pro herausbringen. Das Gerät bietet neben einem 6,4 Zoll Display, 4 GB RAM und 64 GB ROM und zwei Kameras mit 16 MP (Rückseite) bzw. 8 MP (Vorderseite). Zwar liefert Lenovo keine weiteren Informationen dazu, aber auf den offiziellen Bildern sind die Sensoren zu erkennen, die das Gerät Tango-fähig machen.

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(Bildquelle: Lenovo)

Mal abgesehen von Games: Was bringt Augmented Reality?

Fakt ist: AR-Lösungen werden uns helfen, unsere Umgebung besser zu begreifen bzw. begreifbar zu machen. Denkbar sind z.B. intelligente Leitsysteme in Krankenhäusern, bei denen Besucher die Wege zu Behandlungszimmern auf das Smartphone Display projiziert bekommen. Vertriebsmitarbeiter von komplexen Maschinen können diese ihren Kunden direkt in die Werkstatt projizieren. Oder Mechaniker sehen beim Einbau von neuen Teilen ins Auto ein virtuelles Handbuch, das sie mit Tipps und Anleitungen versorgt und genau anzeigt, wo und wie die Teile eingebaut werden müssen.

Auf jeden Fall hat Google mit Tango ein Projekt gestartet, das die Entwicklung von kommerziellen AR-Lösungen überhaupt erst möglich macht. Bisher fehlten beim Tracking die Tiefeninformationen, da Webcams oder Smartphone-Kameras nur 1 Linse besitzen. Das Ergebnis waren oft flackernde bis hin zu unbrauchbaren Softwareanwendungen, die höchstens für Nerds interessant waren.

Beispiel-Video:

Schlagkräftig wird das Tango-Projekt vor allem dadurch, dass Google nicht nur ein Softwarepaket zur Entwicklung von AR-Apps liefert, sondern auch eine neue Gerätegeneration schafft, die mit zusätzlichen Sensoren und Kameras ausgerüstet sind. Die nächsten Monate werden wohl spannend, insbesondere wenn weitere große Hersteller auf den Zug aufspringen und ebenfalls Tango-fähige Smartphones und Tablets auf den Markt bringen.

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